Neu im Dozententeam der HFW mit viel Erfahrung im Marketing: Julian Strunk.
Wie sieht deine berufliche und schulische Laufbahn aus?
Meine berufliche Laufbahn begann tatsächlich mit einer kaufmännischen Ausbildung am KV Schaffhausen. Diese absolvierte ich als Lernender bei der Weidmüller Schweiz AG in Neuhausen. Nach meiner Lehre habe ich direkt die Berufsmaturität (ebenfalls am KV Schaffhausen) angehängt. Anschliessend schloss ich einen Teilzeit-Bachelor in Betriebswirtschaftslehre sowie einen Master mit Schwerpunkt strategischem Marketing an der ZHAW in Winterthur ab. Parallel zu meinem Studium war ich allerdings immer berufstätig – zunächst im Controlling und Reporting und später dann mit einem Wechsel ins Marketing zu einer Marketingagentur im Zürcher Kreis 4.
Nach Abschluss meines Masterstudiums sammelte ich bei verschiedenen Unternehmen aus der Getränkebranche (u.a. Coca-Cola) sowie der Industrie (Georg Fischer) umfassende Erfahrung in den Bereichen Marketing, Vertriebsstrategie, Unternehmensentwicklung und globaler Innovation.
Warum hast du dich neben deinem sicherlich intensiven Job dazu entschieden, als Dozent an der HKV&HFW Schaffhausen zu unterrichten?
Bereits in der Vergangenheit hatte ich immer wieder Berührungspunkte mit der Lehre – sei es durch das Halten von Vorlesungen, das Dozieren einzelner Module oder die Betreuung von Diplom- und MAS-Arbeiten.
Übers Gastdozieren an Hochschulen sowie meine Rolle als Co-Experte an der HFW bin ich schrittweise tiefer in die Lehrtätigkeit hineingerutscht und habe gemerkt, dass ich diese Rolle gerne regelmässiger ausüben möchte. Besonders schätze ich den Mix aus zwischenmenschlichem Austausch, lebendigen Diskussionen mit den Studierenden und der Möglichkeit, der einen oder dem anderen das Marketing näher zu bringen und schmackhaft zu machen.
Darüber hinaus bin ich der Überzeugung, dass Marketing in der Schweiz teilweise noch immer missinterpretiert wird und das Potenzial dieser Disziplin nicht voll ausgeschöpft ist. Mit meiner Lehrtätigkeit möchte ich dazu beitragen, dieses Verständnis zu schärfen und zumindest eine kleine Gruppe von Studierenden nachhaltig und positiv zu beeinflussen.
Was braucht es deiner Meinung nach in Zeiten von KI im Marketing in Zukunft?
Ich vertrete da eine ähnliche Auffassung wie Prof. Dr. Marcus Schögel (Marketing-Koryphäe der HSG). Ich glaube Marketing (richtig angewandt) entwickelt sich weg von linearen Plänen, isolierten Kanälen und reinem Effizienzdenken hin zu einem vernetzten, adaptiven Ökosystem, das mit hoher Komplexität und Dynamik umgehen muss. Das bedeutet allerdings auch, erfolgreiche Unternehmen sehen Marketing als strategische Disziplin zur Steuerung ihrer Organisation. Das impliziert für zukünftige Marketingfachleute – sie müssen sich vom operativen Abarbeiten hin zur Steuerung von Komplexität entwickeln. Während KI vermehrt Umsetzung, Analyse und Umsetzung übernimmt, liegt die menschliche Stärke in strategischem Denken, Priorisierung und Urteilsfähigkeit. Entscheidend sind zudem die Fähigkeit, Kanäle, Daten, Technologie und Menschen zu orchestrieren.
Machen Weiterbildungen 2026 überhaupt noch Sinn?
Ja, auf jeden Fall! Weiterbildungen haben 2026 und darüber hinaus immer noch eine absolute Daseinsberechtigung. Zum einen geht es in Weiterbildungen, wie bei uns am KV, längst nicht mehr um reines Auswendiglernen von Wissen, sondern um den Aufbau von Handlungskompetenzen: Wie gehe ich mit komplexen, neuen oder herausfordernden Situationen um? Wie treffe ich Entscheidungen unter Unsicherheit und passe mich laufend an?
Zum anderen gewinnen die menschlichen Komponenten weiter an Bedeutung – Kommunikation, Reflexionsfähigkeit, Auftreten und Zusammenarbeit. Genau diese Fähigkeiten lassen sich kaum isoliert oder rein digital erlernen, sondern entstehen im Austausch mit anderen: bei Diskussionen, Prüfungen, Präsentationen, Gruppenarbeiten und durch gegenseitiges Feedback in der Weiterbildung.