#Impressions

Profisport als Schule für das heutige Berufsleben

Jahrelang führte Beat Equilino den HC Davos als Captain aufs Eis, feierte mit seinem Team die Meisterschaft und den Sieg am Spengler Cup. Seine Karriere ermöglichte ihm sogar einen Abstecher nach Nordamerika. Als Teilnehmer des Lehrgangs «Sachbearbeiter/-in Personalwesen» profitiert er nun von seinen Erfahrungen. Dabei sieht er Parallelen zwischen dem Profisport und dem Berufsalltag. Mehr dazu erfahrt ihr im Interview.

Über viele Jahre hinweg warst du Captain des HC Davos, bist Schweizer Meister geworden und hast zwei Mal den Spengler Cup gewonnen. Inwieweit helfen dir diese unglaublichen Erfahrungen als Profisportler in deinem heutigen Berufsleben?

Der Spitzensport fungiert in vielerlei Hinsicht als Fundament für Führung, Leistungsdruck und Teamdynamik – all das ist in meinem jetzigen Alltag auch gefragt.
Die wertvollen Erkenntnisse lassen sich in verschiedene Bereiche unterteilen:

  • Als Captain lernt man, eine Kabine voller unterschiedlicher Charaktere und Nationalitäten auf ein gemeinsames Ziel auszurichten. Das bedeutet, Empathie zu zeigen, in Krisenmomenten voranzugehen und die Balance zwischen individuellem Zuspruch und notwendiger Durchsetzungsstärke zu finden. Diese Leadership-Qualitäten sind im heutigen Berufsleben eins zu eins anwendbar.
  • „Grosse Spiele“ wie in einer Meisterschaft oder die Spiele am Spengler Cups verlangen maximale Konzentration unter maximaler Beobachtung. Man lernt, Störfaktoren auszublenden, emotionale Stabilität zu bewahren und auch bei Rückschlägen handlungsfähig zu bleiben. Im Berufsleben hilft diese die Ruhe zu bewahren.
  • Ein Titel wird nie von einer Einzelperson gewonnen, sondern von einem funktionierenden Kollektiv. Im Profisport versteht man schnell, dass jeder seine spezifische Rolle ausfüllen muss, um als grosses Ganzes erfolgreich zu sein. Dieses Verständnis hilft dabei, im Berufsleben des gegenseitigen Vertrauens und Supports zu etablieren.
  • Der Weg zum Erfolg im Sport basiert auf täglicher, oft monotoner Detailarbeit. Die Bereitschaft, sich ständig zu hinterfragen, ans Limit zu gehen, Feedback anzunehmen und Prozesse kontinuierlich zu optimieren, auch das lässt sich perfekt auf das Berufsleben zu übertragen.

Das Hobby zum Beruf machen: Davon träumen viele Nachwuchssportlerinnen und -sportler. Welchen Rat würdest du diesen jungen Menschen mit auf den Weg geben?

Der Traum, das eigene Hobby zum Beruf zu machen, erfordert neben Talent vor allem zielgerichtetes Vorgehen, mentale Stärke, Wille und Realismus.

  • Talent ist nur der Startpunkt. Der entscheidende Faktor für eine Profikarriere ist die Bereitschaft in harte, oft monotone Arbeit zu investieren. Disziplin, Konstanz im Training und die Fähigkeit, sich auch an schlechten Tagen zu motivieren.
  • Der Weg im Spitzensport ist mit Risiken behaftet. Verletzungen oder ein Formtief können eine Karriere abrupt beenden. Eine solide schulische oder berufliche Ausbildung parallel zum Sport ist kein Zeichen von mangelndem Fokus, sondern ein essenzielles Sicherheitsnetz, das zudem den mentalen Druck im Wettkampf senkt und für die Zeit nach der Karriere enorm wichtig ist.
  • Erfolg im Sport verläuft nie linear. Niederlagen, Verletzungen und Phasen des Zweifelns gehören dazu. Wer früh lernt, Rückschläge nicht als Scheitern, sondern als Feedback und Chance zur Optimierung zu begreifen, baut das erforderliche Durchhaltevermögen für eine lange Karriere auf.
  • Ein funktionierendes Unterstützungssystem ist fundamental. Dazu gehören Trainer, Berater und die Familie, die nicht nur den sportlichen Erfolg fordern, sondern auch das menschliche Wohlbefinden im Blick haben. Ehrliches Feedback von Vertrauenspersonen schützt vor Fehleinschätzungen.

Ist der Leistungsdruck im klassischen Berufsalltag mit dem Druck im Profisport vergleichbar?

Der Leistungsdruck im Berufsalltag und der Druck im Profisport sind in ihrer Intensität und ihren Auswirkungen vergleichbar, unterscheiden sich jedoch grundlegend in ihrer Struktur. Während der Sport von extremen, punktuellen Stressspitzen geprägt ist, dominiert im Berufsalltag oft ein „chronischer“ Dauerdruck.

Im Profisport sind Fehler sofort und öffentlich, im Berufsalltag meist intern und zeitverzögert. Die zeitliche Struktur unterscheidet sich ebenfalls deutlich. Punktuelle Extreme mit klaren Regenerationsphasen im Sport. Im Berufsleben ist oft über Monate verteilt und die Erholungsphasen sind meistens zu kurz. Auch die Karrieredauer und Existenzsicherheit differieren stark: Während Profikarrieren selten länger als 10–15 Jahre dauern und durch Verletzungen abrupt enden können, erstreckt sich die Erwerbsbiografie im klassischen Beruf über Jahrzehnte und ein Arbeitsplatzverlust ist meist kompensierbar.

Neben vielen tollen Erinnerungen entstehen im Verlauf einer Profikarriere sicherlich tolle Bekanntschaften und Freundschaften. Gibt es aber auch etwas, das du überhaupt nicht vermisst?

So schön die Zeit als Profisportler rückblickend ist – es gibt einige Aspekte des Profisports, die ich im heutigen Leben überhaupt nicht vermisse. Das Leben im Rampenlicht und unter extremen körperlichen Bedingungen fordert über Jahre hinweg einen hohen Tribut, den man erst nach dem Karriereende vollumfänglich realisiert. Als Profisportler bewegt man sich jahrelang am physischen Limit. Man spielt oft trotz Prellungen, Zerrungen oder chronischen Schmerzen, weil das Team einen braucht oder der Vertrag verlängert werden muss.

Heute geniesse ich es sehr, die Wochenenden frei zu haben und mit der Familie planen zu können, Sport aus reinem Vergnügen zu treiben, statt nur von Spiel zu Spiel zu denken.

Jetzt für den Lehrgang: «Sachbearbeiter/-in Personalwesen» anmelden.

AnmeldungsformularProfisport als Schule für das heutige Berufsleben

AnmeldungsformularProfisport als Schule für das heutige Berufsleben