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Joël Heller: Vom KV-Absolvent zum Swiss FinTech Award-Gewinner

Mitten in der Corona-Pandemie schloss Joël Heller seine KV-Ausbildung mit BM ab. Seither ging es für ihn karrieretechnisch steil nach oben. Mit seinem Startup gewann er im Jahr 2025 den Swiss FinTech Award, einen Preis für herausragende Schweizer Start-ups im Bereich der Finanztechnologien. Inwieweit ihm seine KV-Lehre etwas für seine heutigen Tätigkeiten bringt und welchen Stellenwert die KI seiner Meinung nach in der Ausbildung haben sollte, erfahrt ihr im Interview.

Du hast von 2017 bis 2020 deine KV Lehre bei der Mobiliar Versicherung absolviert. Was hat dir die KV Lehre gebracht für deine heutige Tätigkeit?

Die Ausbildung hat mir neben dem Aufbau von Kundenbeziehungen vor allem eines vermittelt: Dinge über einen längeren Zeitraum konsequent durchzuziehen, in diesem Fall über drei Jahre, auch wenn nicht jeder Tag gleich viel Freude bereitet. Noch wertvoller war für mich aber die Möglichkeit, früh zu erkennen und zu reflektieren, was ich für meinen eigenen Weg übernehmen möchte und was nicht. Die KV-Lehre war damit nicht nur eine berufliche Grundlage, sondern auch ein wichtiger Orientierungspunkt, aus dem heraus ich mich weiterentwickelt und neu ausgerichtet habe.

In den Jahren nach deiner Lehre hast du dich rasant weitergebildet und bist in die digitale Welt eingetaucht. Im Jahr 2025 habt ihr im Team als Startup den Swiss Fin Tech Award gewonnen. Welche Bedeutung hatte der Preisgewinn für dich und euer Start-Up?

Nach der Berufsmaturität an der HKV führte mein Weg über die ZHAW in Winterthur und die HTW Berlin bis an die Universität in Antwerpen. Parallel dazu bin ich in den Tech-Sektor eingestiegen, genauer gesagt in den Early-Stage-Venture-Bereich. Nach rund einem Jahr Company Building den Swiss FinTech Award zu gewinnen und am nächsten Tag im Tages-Anzeiger als bestes Schweizer FinTech erwähnt zu werden, war natürlich ein besonderer Meilenstein. Vor allem war es eine Bestätigung für die Arbeit, die wir als Team bis dahin geleistet hatten.

Seit Januar 2026 bist du für zwei Firmen im Bereich der Künstlichen Intelligenz tätig. Welchen Stellenwert sollte der Umgang mit der künstlichen Intelligenz bei der KV-Ausbildung haben? Wo siehst du die Gefahren und wo siehst du die Chancen?

Seit Januar verantworte ich bei Hoshii den Wachstumsbereich Deutschland und strategische Partnerschaften. Sowohl im Studium als auch im Berufsalltag habe ich in den letzten zwei Jahren intensiv mit KI gearbeitet. Heute wäre mein Arbeitsalltag ohne Tools wie Claude Code kaum mehr vorstellbar. Ich bin ein grosser Befürworter davon, Automation und Agentic AI dort einzusetzen, wo repetitive und wenig wertschöpfende Arbeit reduziert werden kann. Gleichzeitig bin ich gerade bei kreativer Arbeit, Brainstorming und Lernprozessen deutlich kritischer.

KI sollte aus meiner Sicht definitiv einen festen Platz in der KV-Ausbildung haben. Entscheidend ist aber, dass nicht nur die Bedienung einzelner Systeme vermittelt wird, sondern vor allem das Verständnis dafür, welches System für welchen Zweck einen sinnvollen Mehrwert schafft. KI sollte das Denken unterstützen, nicht ersetzen.
Die grösste Gefahr sehe ich aktuell darin, dass wir uns zu schnell auf LLMs verlassen. Statt einen Gedanken zunächst selbst zu entwickeln, ein Problem zu durchdringen oder eine Idee aufs Papier zu bringen, wechseln wir zu schnell in einen Prompt.

LLMs arbeiten letztlich probabilistisch und greifen auf Muster aus der Vergangenheit zurück. Das ist enorm leistungsfähig, kann aber gleichzeitig einen gewissen gedanklichen Nebel erzeugen: Man erhält schnell eine plausible Antwort, bevor man überhaupt selbst herausgefunden hat, was man eigentlich denkt.

Gerade in der Ausbildung sollte deshalb weiterhin Raum dafür bleiben, selbst zu denken, zu hinterfragen und Dinge zunächst ohne KI zu erarbeiten. Die wichtigste Kompetenz wird aus meiner Sicht nicht sein, KI möglichst viel zu nutzen, sondern zu wissen, wann sie einen besser macht und wann man besser auf sie verzichtet.

AnmeldungsformularJoël Heller: Vom KV-Absolvent zum Swiss FinTech Award-Gewinner

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